Mamma Mia, war das schön...es geht auch auf Deutsch

Der Babysitter für Samstag ist bestellt. Die Freunde, mit denen wir essen gehen wollten, haben abgesagt.  Im Kino läuft nicht ein guter Film. Natürlich ist es nett, auch mal alleine mit meinem Mann essen zu gehen, aber mir ist dieses Wochenende wirklich ein bisschen mehr nach Abwechslung.

 

„Du wolltest doch unbedingt ins Mamma Mia Musical. Schau doch mal, ob wir da noch Karten bekommen“, schlägt mein Mann vor.

 

„Meinst du wirklich?“

 

Ich rechne im Kopf den Abend durch: Musical-Karten, Getränke, Babysitter…Ganz schön viel Holz für einen gewöhnlichen Samstagabend. Solche Events zelebriere ich immer gerne mit viel Vorlauf, vorzugsweise zu Gelegenheiten wie Weihnachten, Hochzeitstag oder Geburtstag.  Aber mal so eben nebenbei? Spontan? Trotzdem tippe ich auf meinem Smartphone die Webadresse der Ticketzentrale und öffne den Saalplan für die Samstagabendvorstellung.

 Foto: Ensemble, Stage Entertainment, mit freundlicher Genehmigung

 

Überraschenderweise gibt es noch genug Karten, auch in den vorderen Reihen. Ich hadere nur kurz, buche dann zwei Plätze in der zweiten Reihe, drucke die Tickets aus und freue mich jetzt wahnsinnig. Die perfekte Gelegenheit meine neuen 10cm-Pumps einzuweihen. Schon allein dafür lohnt sich der Abend!

 

Eine Restskepsis bleibt jedoch: Das Musical wird auf Deutsch gesungen. Kann das gut sein? Es gibt wohl kaum jemanden, der die englischen ABBA-Songs nicht mitsingen kann. Ich  schmettere regelmäßig mit meinen Töchtern Dancing Queen und co. auf der Wii ins Mikrophon und ich liebe den Film mit der unglaublichen Meryl Streep. Wie wird es sein, die Lieder nun verfremdet in unserer Sprache zu hören?

 

Unser Babysitter ist pünktlich, die Kinder haben den Paddington Bär bereits in den Bluray Player geschmissen, Chips und Süßigkeiten für den elternlosen Abend stehen bereit. Das Metronom Theater befindet sich direkt am Centro Oberhausen. Wir brauchen keine dreißig Minuten dorthin und parken in eines der zahlreichen kostenlosen Parkhäuser. Schon beim ersten Schritt durch den Theatereingang genieße ich die Atmosphäre. Ach, ich mag das einfach: die nette, förmliche Begrüßung der Frau in Uniform am Eingang, die dicken roten Teppiche, die blank polierte Bar, die schöne Beleuchtung. Wir bestellen bei dem höflichen Barkeeper die Getränke und lassen uns für die Pause einen Tisch reservieren. Zufällig treffen wir Bekannte und werden mit ihnen den restlichen Abend verbringen.

 

Die Plätze sind super. Direkt vor uns sitzt das Orchester und mich packt bereits die lautstarke Ouvertüre. Der ältere Herr neben mir holt sein Picknick raus, noch bevor es überhaupt richtig losgeht.  Er raschelt geräuschvoll mit seiner Frischhaltetüte und wird die gesamte Vorstellung nicht mehr damit aufhören. Meiner Tochter hätte ich jetzt einen kräftigen Stoß in die Rippen versetzt, aber das macht man bei älteren Herren, die einem fremd sind, nun mal nicht.

 

Spätestens in der Pause ist klar, ich mag Mamma Mia, auch auf Deutsch. Mein Mann ist ebenfalls restlos begeistert. Im Angesicht seiner eingerosteten Englischkenntnisse, meint er, er würde nun endlich mal verstehen, worum es in den ABBA-Liedern eigentlich geht.

 

Bei einigen Stücken bekomme ich aus den Augenwinkeln mit, wie mein Sitznachbar kaum hörbar schluchzt und seine Frau nach seiner Hand greift. Irgendwie süß und ich frage mich, welche Geschichte oder Erinnerung sich hinter diesem Gefühlsausbruch verbirgt.

 

Bei „Durch die Finger rinnt die Zeit“, die deutsche Version von „Slipping through my fingers“, steht auch mir das  Wasser in den Augen. Zum Glück befinde ich mich in guter Gesellschaft neben dem älteren Herrn.

 

Am Ende geben die gut gelaunten Darsteller ihre Zugaben zum Besten und im Saal sitzt keiner mehr. Die gute Stimmung wirkt den ganzen langen Abend bei uns nach.

 

Sonntagmorgen drehe ich die Mamma Mia Songs zum Frühstück auf, auf Deutsch, versteht sich! Danke für die Lieder! Für jede Melodie!


Dieser Beitrag ist vorab auf Huffington Post erschienen!

 


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