Die erste Komische Nacht in Krefeld am 20. Februar 2019

 

Nach Weihnachten fällt mir ein Flyer „Krefelds erste komische Nacht – ein Comedy Marathon“ in die Finger.  Das Konzept ist schnell erklärt: In fünf verschiedenen Locations treten fünf verschiedene Akteure im rollierenden System auf.  Für Krefeld bedeutet das am 20. Februar 2019: Kulisse, Jazzkeller, Kulturrampe, Nordbahnhof und Stadtwaldhaus. Eintrittspreis: 20,60 Euro plus Verzehr. Für sowas bin ich immer zu haben. Nicht nur weil fußläufig für uns zu erreichen, fällt die Wahl auf den Nordbahnhof. Also buche ich, kaum zu Hause angekommen und vor den PC gehockt, zwei Tickets.

 

Unsere Location: Das neue Sudhaus im Nordbahnhof

Der Nordbahnhof richtet seine Komische Nacht im neuen Sudhaus aus. Die Karten waren hier am schnellsten ausverkauft. Die neue Location der Furths mit eigener Bierbrauerei ist wirklich toll geworden und kommt extrem geschmackvoll eingerichtet daher: Hohe Decken, viel Edelstahl, viel Glas und ein super Blick auf die riesigen, blitzblank polierten Biertanks. Um die 100 Leute finden heute in dem komplett bestuhlten Raum Platz, sagt man uns. Eine kleine Bühne gibt es auch. Einlass ist um 18 Uhr. Als wir ankommen herrscht bereits ein uriges, intimes und sehr entspanntes Ambiente. Für den kleinen Hunger werden Käse-, Mett- und Tatarhäppchen angeboten und natürlich darf auch das leckere, neue Schlüffken Bier nicht fehlen. Wir trinken und essen uns ein.  Stühle sind ausreichend vorhanden, so dass nur die stehen, die wirklich stehen wollen um näher am Bier zu bleiben.

 

Souveräner Start mit Archie Clapp

Als erster Comedian springt um 19.30  Uhr der in England geborene Neukölln-Berliner Archie Clapp mit zwei Luftballons auf die Bühne, knotet sie zu zwei Hasenohren und reißt sich die Mütze von seinem Kopf um seine Einhorn-ähnliche Frisur zu präsentieren. Ein bisschen Spiel mit dem Publikum (Nachzügler, die als Letztes noch schnell auf ihre Sitze huschen, während der Künstler sich bereits in Fahrt befindet, geben nunmal die perfekten Opfer für ein paar Späßchen auf eigene Kosten ab) und dann erzählt Archie ein bisschen aus seinem Leben im multikulturellen Neukölln, wo er zwischen Arabern und Nachbar Ling Ling wohnt. Insgesamt präsentiert er ein schönes Warm-up mit einigen Lachern, aber es ist definitiv noch Luft nach oben.

www.archie-clapp.de

 

Sympathischer Salmim Samatou j0ngliert mit Äpfeln

Der zweite Künstler begeistert mit toller Ausstrahlung und flüssigem Programm. Und Nein, er ist kein Iraner, wie das Publikum vermutet, sondern Inder. Super witzig und kurzweilig erklärt er anhand von Äpfeln und McDonalds wie sich das unterschiedliche Bildungsniveau in den einzelnen Bundesländern verhält.  Salim Samatou hätte gerne blaue Augen und findet, nach Beendigung einer Beziehung sollte man sich von seinem Expartner unbedingt ein Empfehlungsschreiben ausstellen lassen, um nicht von Kamasutra Level 33 abzufallen und wieder mit „Was magst du denn so für Musik“ zu beginnen.  Die zwanzig Minuten, die jeder Künstler in etwa für seine Darbietung hat, sind rasend schnell um. Ein kurzer Gruß und schon hüpft Salim wieder von der Bühne. Im Stadtwaldhaus wartet man nämlich nun auf ihn.

www.salim-comedy.de

 

Lehrer mit Neurosen - Herr Schröder

Während wir auf Herrn Schröder warten, der nun vom Jazzkeller zu uns ins Sudhaus fahren muss, bleibt genug Zeit für ein weiteres Schlüffken und Käse-Häppchen. Herr Schröder, staatlich geprüfter Deutschlehrer, ist es ja sowieso gewohnt, dass man in seiner Anwesenheit isst, ihm den Rücken zudreht, Privatgespräche in voller Lautstärke führt oder „Du Opfer“ dazwischenruft. Seine Erlebnisse mit Schüler Justin und Co. sorgen für durchgehende Lacher. Schröders Wortspielereien sind witzig, temporeich und intelligent. Mein persönlicher Highlight Comedian an diesem Abend!

 

www.herrschröder.de

 

Frauenpower mit Andrea Volk

Die einzig weibliche Komödiantin stammt an diesem Abend aus dem Ruhrgebiet. Vielleicht bin ich noch zu sehr in Herrn Schröders Schul-Universum oder schon zu müde, aber bei ihr fällt meine Stimmung kurz ein wenig ab. Andrea Volk plänkelt mit dem Publikum über den Klamottenladen, den ihr Bruder mal in Krefeld geführt hat. Dann philosophiert sie über den Büroalltag. Teambuilding hieß früher Kegeln und in Kletterparks muss man neuerdings auch. Ein Trauma, wenn man dabei das Arschgeweih der Kollegin vor der Nase hat. Raucher sterben heute nicht mehr an Lungenkrebs, sondern an Erfrierungen vor der Tür.  Warum sie deswegen am Ende das kölsche Lied „Trink doch Ene mit“ umgetext in „Roch doch Ene mit“ anstimmt, erschließt sich mir bei der Ruhrpott-Queen nicht so ganz. Passt zwar ggf. zur Karnevalszeit, aber nicht zum Ruhrpott. Nachdem die letzte Zeile verklungen ist, verabschiedet sie sich mit ihrer Begleitung  (die Künstler reisen jeweils mit eigenem Techniker) zu ihrem letzten Auftritt ins Stadtwaldhaus. www.andreavolk.de

 

Ill-Young Kim

Es ist nach zehn und nun bin ich echt müde, doch der letzte Komedian, Ill-Young Kim, schafft es mich nochmal aufzuwecken. Und auch er scheint noch so gar nicht müde. Ganz klar, Asiaten sind nicht gelb! Oder sieht er etwa aus wie ein Simpson? Und überhaupt, ein asiatischer James Bond wäre doch auch mal was Neues. Das monothematische (O-Ton Ill Young-Kim) Programm über Asiaten bringt er super-süß rüber, und ja, auch das Klischee über Hunde vertilgende Asiaten fehlt nicht in seinem Reportaire. Aber das passt einfach bei ihm!  Ein stimmiger Abschluss der komischen Nacht.

 

www.illyoungkim.de

 

Fazit:

Die Komische Nacht hat mich begeistert und ich würde diesen Abend jeder  Zeit wiederholen. Für die Comedians bedeutet dieses Konzept ein straffes Programm. Immerhin müssen sie fünf Shows hintereinander rocken und nach jedem Auftritt durch die halbe Stadt fahren, um pünktlich in der nächsten Location aufzuschlagen und sich dabei immer wieder auf neues Publikum einstellen. Sicher nicht ganz einfach. Bei uns im Nordbahnhof/Sudhaus war, mit wenigen Ausnahmen, die Altersgruppe Ü40 vertreten. Das hat im Jazzkeller oder in der Kulturrampe vielleicht anders ausgesehen. Dafür haben die Comedians die Möglichkeit bekommen, innerhalb kürzester Zeit sehr viele unterschiedliche Menschen zu erreichen und für ihr Soloprogramm werben.

 

Für uns als Publikum  war es wiederum eine schöne Gelegenheit an einem einzigen Abend viele verschiedene Künstler zu erleben. Und so habe ich schon mal interessehalber nachgeschaut, wo ich Herrn Schröder, Salim oder Ill-Young Kim einmal in voller Länge erleben kann. Lachen kann man schließlich nie genug. Es ist gesund und baut Stresshormone ab.  

 

www.komischenacht.de

 

 

 

 

 

 

 

 

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