Besuch beim "König der Löwen" in Hamburg

Es ist schon einige Zeit her, dass ich das Musical „König der Löwen" zum ersten Mal in Hamburg gesehen habe. Ich weiß noch, wie sehr mich die Anfangsszene damals geflasht hat: der Sonnenaufgang auf der Bühne, das Licht, „der ewige Kreis", der Einlauf der Tiere durch die Theatersaalreihen. Irgendwann, schwor ich mir, werde ich wiederkommen.

Foto: Quelle Stage Entertainment 


Nun, über dreizehn Jahre später, ist es soweit! Wir haben den Besuch mit den Kindern lange im Voraus geplant. Denn obwohl das Musical schon so viele Jahre läuft, ist es nach wie vor so gut besucht, dass man früh genug buchen sollte, wenn man seine Wunschplätze ergattern will. Und ich möchte so weit wie möglich vorne sitzen! Wenn ich ins Ballett gehe, will ich die Spitzenschuhe auf dem Parkett knallen hören. Wenn ich mir ein Theaterstück anschaue, will ich die Mimik der Schauspieler genau verfolgen. Und wenn ich mir so ein tolles Musical wie „König der Löwen" gönne, möchte ich auf keinen Fall Details verpassen!

 

Beim Kauf der vier Karten in der zweiten Kategorie (zweite Reihe, linkes Parkett, mittig) leiden wir Anfang des Jahres allerdings kurzzeitig an Schnappatmung. Mehrere hundert Euro für ein paar Stunden auf den Tisch zu legen tut schon weh. Dennoch, wir lassen uns die Vorfreude auf den Herbsturlaub an der Ostsee mit Abstecher nach Hamburg nicht vermiesen! Es ist ein besonders Event für uns alle.

 

Meine Jüngste wird zwei Tage vor Vorstellungsbeginn krank: leicht erhöhte Temperatur, keine Stimme, starke Schluckbeschwerden. Ich verordne ihr den ganzen Tag Bettruhe, lasse den Fernseher laufen und doktere mit allen Hausmitteln rum, die mir einfallen: Globuli, Spitzwegerichsaft, feuchte Halswickel, Vitamin C, Trinken bis der Arzt kommt. Am Mittwoch ist sie wieder fit und wir machen uns nachmittags auf den Weg nach Hamburg.

 

Hamburg zeigt sich von seiner fiesesten Seite: Grauer Himmel, dichter Dauerregen. Wir wollen an den Landungsbrücken essen gehen, parken dort und begeben uns planlos auf die Suche nach einem Restaurant. Das Sky-Restaurant im Stage Theater bietet zwar einen phänomenalen Blick über den Hamburger Hafen, muss jedoch reserviert werden und bietet nur ein Drei-Gänge-Menü an.

Wir sind alle vier unterzuckert, durchgefroren, genervt vom Starkregen und haben natürlich keine Ahnung wo es lang geht. Mein Mann fordert mein Handy und möchte uns „orten", um sich die Restaurants in der Nähe anzeigen zu lassen und die Bewertungen zu checken.

 

„Vergiss es, ich stehe jetzt nicht blöd im Regen und warte, bis du alle Bewertungen durchgelesen hast", zicke ich, denn ich bin in der Beziehung der spontane Typ. Wir laufen an einem Spanier vorbei, den ich abblocke, da mir weder nach Tapas noch Kindern ist, die beim Anblick der Speisekarte das Gesicht verziehen.

 

Mein Mann ist eingeschnappt, sein Gemüt kann mit einem knurrenden Magen am schlechtesten umgehen. „Gut, dann entscheide du, wo wir jetzt essen."

 

„Toll, dann bekomme ich wieder den schwarzen Peter zugeschoben, wenn das Essen nicht schmeckt."

 

Zufällig landen wir in diesem Moment im Portugiesischen Viertel. Auf der Ditmar-Koel-Straße stehen einige Restaurants zur Auswahl. Geht doch! Und das ganz ohne Ortung und Navi. Wir fassen zwei italienische Restaurants ins Auge und haben die Qual der Wahl: Nehmen wir den edel wirkenden Italiener oder den urigen Laden mit den bunten Kitschlichtern in den Fenstern?

 

Wir entscheiden uns für urig, bunt und ein bisschen durchgeknallt und werden nicht enttäuscht! Luigi's bietet nicht nur ein besonderes Ambiente mit knallig bunt bemalten Wänden und Trash-Kunst auf der Toilette, sondern auch super leckere Pizza mit einem perfekten Boden, übelst leckere Pasta und schnellen, guten Service. Volltreffer!

 

Sobald die Fettucine meinen Magen passiert haben, hebt sich meine Laune und der Abend kann beginnen. Gut gesättigt und mit einem wärmenden leckeren Sambucca im Magen (gab es auf's Haus), steigen wir an der Landungsbrücke 1 in den Shuttle zum Theater.

 

Die Überfahrt habe ich mir ein wenig spektakulärer vorgestellt. Es sieht in der Werbung immer so schön aus, wenn das orange „König der Löwen"- Schiff beleuchtet über die Elbe tuckert. Stattdessen ist unser Shuttle weder König-der-Löwen orange noch romantisch, sondern gerammelt voll. Keiner hat Lust bei dem Schietwetter auf dem Deck zu stehen. Wir bekommen keinen Sitzplatz mehr. Zum Glück dauert die Fahrt nur wenige Minuten.

 

Auch im Theater ist kein einziger Stehtisch mehr frei und so hocken wir bis Vorstellungsbeginn auf der Treppe. Für die Pause reservieren wir klugerweise im Sky-Restaurant einen Tisch und bestellen die Getränke vor. Das ist unbedingt empfehlenswert, denn so kann man in der Pause doch noch den Blick aus dem Sky Restaurant genießen.

 

Dann geht es los und nicht nur die Kinder sitzen gespannt auf ihren Plätzen. Heute, am 7.Oktober 2015, gibt es eine echte Premiere: Es hat ein Cast-Wechsel statt gefunden. Die Darsteller stehen zum ersten Mal in der neuen Besetzung gemeinsam auf der Bühne. Hätte man dies nicht vorher angekündigt, würde man es nicht merken, denn das Team harmoniert ganz wunderbar. Auch sind alle Darsteller während ihrer gesprochenen Parts gut zu verstehen. Das ist nicht immer selbstverständlich und kann sehr nervig sein, wenn die internationalen Darsteller in deutschen Produktionen so schlecht deutsch sprechen, dass man der Geschichte nicht richtig folgen kann.

 

Ich bin sehr, sehr froh über die teuren Plätze in der zweiten Reihe. Es ist richtig, dass man auch weiter hinten einen tollen Blick auf das Gesamtkunstwerk hat und man sich durch die Entfernung der Illusion hingeben kann, echte Tiere auf der Bühne zu sehen. Doch von hinten sieht man vielleicht nicht ganz so gut, wie meisterhaft, zum Beispiel, David Allers als Scar geschminkt ist und mit welchem Geschick Joachim Benoit Zazu bewegt und wie niedlich dieser Vogel mit den Augen klimpert. Man erkennt vielleicht nicht so gut, dass die Hyänen, allein durch ihre Mimikarbeit und Bewegungen, völlig Eins mit ihrer Rolle sind. Und man kann nur erahnen, welcher Körpereinsatz den Darstellern durch die aufwendigen, prächtigen, und sicher auch schweren, Kostüme abverlangt wird. Alle Darsteller, allen voran die Kinder und Hauptrollen, machen einen tollen Job. Für mich persönlich stechen jedoch David Allers als Scar (einfach diabolisch gut!), Joachim Benoit als Zazu und die drei Hyänen heraus.

 

Im Vorfeld habe ich in Bewertungskommentaren gelesen, dass der ein oder andere Besucher die kleinen Zwischenwitze bezüglich IKEA oder Helene Fischer unpassend fand. Die Anspielungen sorgen an diesem Abend beim Publikum, auch bei unseren Kindern, für Lacher und haben wahrscheinlich somit ihre Daseinsberechtigung. Ich könnte darauf verzichten und finde, der „König der Löwen" käme auch ohne diesen Klamauk aus!

 

Meine Töchter und ich freuen uns über die kleine Spitzentanzeinlage und wir sind alle fasziniert vom Bühnenbild und dem gesamten Drumherum. Ein Spektakel aller erster Sahne, an das wir uns noch lange erinnern werden. Der "König der Löwen" ist und bleibt eines meiner Lieblingsmusicals! Hakuna Matata!



Dieser Blog ist auch auf Huffington Post erschienen

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