Offener Brief an die Deutsche Post

Liebe Post,

 

auch wenn es heutzutage etwas Besonderes geworden ist, einen handgeschriebenen Brief, eine Glückwunsch- Weihnachts- oder Urlaubskarte im Briefkasten vorzufinden, so werde ich dennoch zukünftig den elektronischen Postweg nutzen. Meine Päckchen verschicke ich inzwischen generell lieber über einen anderen Anbieter, weil man bei dem nicht stundenlang in der Schlange am Schalter steht.

 

Wissen Sie, ich habe mich nicht bei Ihnen beschwert, als die Jeans, die per Warensendung an mich geliefert werden sollte, nicht bei mir angekommen ist. Ich habe mich nicht beschwert, als meine Freundin mein Geburtstagpäckchen nicht erhalten hat. Ich habe mich nicht beschwert, als die DVD nicht beim eBay-Käufer angekommen ist und ich ihm aus Kulanz den Kaufpreis erstattet habe.

Ich habe mich nicht beschwert, als die Postkarten, die meine Kinder aus Österreich an ihre Freundinnen geschickt haben, nicht angekommen sind. Ich habe mich nicht beschwert, als wieder einmal ein Brief vom Nachbarn in meinem Briefkasten lag, obwohl wir völlig andere Hausnummer und Namen besitzen. Ich habe mich nicht beschwert, als die Postkarte an meine Tochter bei dem netten älteren Ehepaar hundert Hausnummern weiter eingeschmissen worden ist.

 

Ich habe mich nicht beschwert, als drei der insgesamt vier Kindergeburtstagseinladungen, die ich per Post verschickt hatte, nicht angekommen sind. Und ich habe mich auch nicht beschwert, als der 20-Euro-Gutschein, den ich ebenfalls per Post an eine Freundin verschickt habe, spurlos verschwunden ist.

 

Ich weiß, ich bin selbst schuld. Geld oder Gutscheine in Briefe zu stecken, ist generell eine saublöde Idee. Genauso wenig sollte man aufklappbare Glückwunschkarten mit netten Umschlägen per Post verschicken. Man könnte schließlich denken, es handele sich um eine potentielle Geburtstagskarte mit Geld von der Omma.

Im Sommer war meine Tochter für eine Woche auf einem Reiterhof und ich habe ihr eine schöne aufklappbare Pferdekarte mit buntem Umschlag gekauft. Aber dann hatte ich Angst, sie würde wieder einmal nicht ankommen und entschied mich, ein einfaches Blatt und ein normales hässliches Briefkuvert zu verwenden.

 

Ich wollte es den Postdieben einfach machen. Man sollte auf den ersten Blick erkennen, in diesem Kuvert befindet sich weder Geld noch sonstiges was jemand gebrauchen könnte, nur die Worte einer Mutter an ihre Tochter. Sicherheitshalber hatte ich einen wiederverschließbaren Briefumschlag mit Klebestreifen genommen, damit man sich von der materiellen Wertlosigkeit des Briefes überzeugen konnte. Zusätzlich habe ich ihr noch eine Postkarte geschickt. Postkarten kommen zwar auch nicht immer an, aber das Risiko bin ich eingegangen.

 

Ich habe mich nie beschwert, weil ich weiß, dass es nichts bringen würde. „Ja, gute Frau, Briefe sind unversichert", würden Sie mir sagen und man kann nicht erwarten, dass sein unversichertes Päckchen für 4,50 Euro beim Empfänger auch ankommt. „Da müssen Sie schon versichert versenden. Und die Postkarten sind sicherlich auf dem langen Weg aus Österreich verlorengegangen."

Aber nun habe ich genug! Seit drei Wochen wartet meine Tochter auf ihren Turnanzug, der vom Verkäufer per Warenpost versandt wurde und bis heute nicht den Weg zu uns gefunden hat. Meine Tochter heult inzwischen und rennt jeden Tag zum Briefkasten.

 

Liebe Post, gibt es bei euch Weihnachten so eine Art Ramschwichteln, wo ihr die gesammelten Sachen verteilt oder geht ihr regelmäßig auf den Trödelmarkt um Kinderturnanzüge, Cds, DVDs oder gebrauchte Kinderjeans zu verkaufen?

 

Dann teilt mir doch bitte mit, wo genau sich euer Stand befindet, ich kaufe euch den Turnanzug ab, damit meine Tochter endlich Ruhe gibt! Und bitte: Informiert mich per E-Mail, die kommt garantiert bei mir an!

 

Dieser Blog ist vorab auf der Huffington Post erschienen


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